Vertrauter Mensch oder vertrauter Artgenosse: Wessen Nähe suchen Hunde in fremder Umgebung?

Eine aktuelle Studie zeigt: Haben Hunde in einer Testsituation die Wahl, verbringen sie mehr Zeit bei ihrer Halterin als bei einem im selben Haushalt lebenden Artgenossen – und wedeln in ihrer Nähe auch häufiger mit dem Schwanz.

von Niklas Kästner

An der Studie nahmen 16 männliche und 15 weibliche Tiere unterschiedlicher Rassen teil (Foto: Ken Reid via Unsplash)

Hunde haben sich im Zuge ihrer jahrtausendelangen Domestikationsgeschichte an das Zusammenleben mit Menschen angepasst und bilden enge soziale Bindungen zu ihren Bezugspersonen aus. Eine spannende Frage stellt sich, wenn mehrere Hunde in einem Haushalt leben: Wie unterscheidet sich die Beziehung der Tiere untereinander von der Beziehung zu ihren menschlichen Sozialpartnern?

Um mehr darüber zu erfahren, führten die Forschenden Morgan Ferrans, Brian Hare und Jenna McHenry ein Experiment durch: Sie untersuchten im Rahmen eines sogenannten Präferenztests, wessen Nähe Hunde in einer unbekannten Umgebung eher suchen – die ihrer Halterin oder die eines mit ihnen zusammenlebenden Artgenossen.

Ein Mensch in der einen Ecke, ein Hund in der anderen

Wie sah dieser Test konkret aus? Die 31 teilnehmenden Hunde durften zunächst für zehn Minuten einen unbekannten Raum gemeinsam mit einer Bezugsperson erkunden. Als sie anschließend allein in denselben Raum gelassen wurden, trafen sie dort auf zwei vertraute Sozialpartner: In einer Ecke saß ihre Halterin, in einer anderen befand sich ein im selben Haushalt lebender Artgenosse. Beide waren von Gittern umgeben und konnten ihren Platz demzufolge nicht verlassen. Die Halterin war zudem von den Forschenden angehalten, von sich aus keinen Kontakt zu den Tieren aufzunehmen.

Drei Minuten lang durften sich die tierischen Probanden frei im Raum bewegen, während eine Kamera das Geschehen von oben filmte. Anschließend ermittelten die Forschenden anhand der Videoaufnahmen, wie lange sich die Tiere in der Nähe ihrer Halterin bzw. ihres Artgenossen aufhielten und wie oft sie dabei mit dem Schwanz wedelten.

Das Ergebnis war eindeutig: Die Hunde verbrachten deutlich mehr Zeit in der Ecke mit ihrer Halterin als in der Ecke mit ihrem Artgenossen. Gleichzeitig wedelten sie dort auch deutlich häufiger mit dem Schwanz.

Fazit

Der Ausgang des Experiments legt nahe: Wenn Hunde die Wahl haben, suchen sie in einer unbekannten Umgebung eher Kontakt zu einer menschlichen Bezugsperson als zu einem vertrauten Artgenossen. Das ist ein spannendes Ergebnis und unterstreicht die besondere Rolle, die wir Zweibeiner im Leben unserer tierischen Gefährten spielen. Gleichzeitig handelt es sich bei einem solchen Präferenztest um eine recht künstliche Situation. Insofern wäre es spannend, in zukünftigen Untersuchungen mehr darüber zu erfahren, wie sich die soziale Beziehung von Hunden zu „ihren“ Menschen und im selben Haushalt lebenden Artgenossen im Alltag unterscheidet – ein Punkt, auf den auch die Forschenden am Ende ihrer Studie hinweisen.

Zur Fach-Publikation:
Ferrans, M.; Hare, B. & McHenry, J. (2026): Adult companion dogs allocate social proximity toward owners over household dogs under competing contexts. Animal Cognition.

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