Außergewöhnliche Fluchtmethode: Schlangen rollen wie ein Rad davon

Zwergwühlnattern fliehen vor Feinden, indem sie mit ihrem Körper eine Art Rad bilden und über den Boden rollen. Eine aktuelle Studie zeigt: Dank einer besonderen Technik zeigt ihr Kopf dabei trotzdem stets in Fluchtrichtung.

von Niklas Kästner

Eine Zwergwühlnatter der Art Pseudorabdion saravacense (Foto: Yosuke Kojima)

Zwergwühlnattern (Gattung Pseudorabdion) sind in Südostasien beheimatete Vertreter der Zwergschlangen. Im Jahr 2023 berichteten Forschende erstmals in einer wissenschaftlichen Zeitschrift von der besonderen Fluchtmethode der Tiere: Sie beobachteten und fotografierten, wie ein Exemplar der Art Pseudorabdion longiceps seinen Körper wie ein Rad einsetzte und in hoher Geschwindigkeit davon rollte. Dieses Verhalten war bislang nur aus anekdotischen Berichten bekannt, aber noch nie wissenschaftlich dokumentiert worden.

Im Rahmen einer aktuellen Untersuchung haben sich Forschende um Yosuke Kojima und Kanto Nishikawa die außergewöhnliche Fortbewegungsmethode genauer angesehen. Sie filmten dazu 13 Schlangen der Arten Pseudorabdion longiceps, Pseudorabdion saravacense und Pseudorabdion collaris auf der Flucht – und tatsächlich zeigten alle das charakteristische Rollen.

Hier sieht man die charakteristische Fluchtbewegung einer Zwergwühlnatter – zunächst in tatsächlicher Geschwindigkeit, dann in 8-facher und in 16-facher Zeitlupe (Video: Yosuke Kojima and Ibuki Fukuyama)

Wie genau sah die Bewegung der Schlangen aus? Dies lässt sich gut veranschaulichen, wenn man sich das Ziffernblatt einer Uhr vorstellt. In der Startsituation der Sequenz befindet sich der Kopf der Schlange in der Luft ungefähr in der Mitte des Ziffernblatts und zeigt in Bewegungsrichtung nach rechts. Ihr Körper verläuft nach links zur Neun und von dort gegen den Uhrzeigersinn um die Uhr herum, wobei die Schwanzspitze sich etwa auf Höhe der Zwölf befindet. Nun rollt die Schlange über den Körper ab und bewegt sich dadurch nach rechts. Sobald ihr Körperende den Boden erreicht, drückt sie sich von dort ab. Ihr restlicher Körper schwingt dabei in einer Kurve über den Kopf, trifft seitlich vom Kopf auf den Boden und bildet erneut ein Rad, bis schließlich die Ausgangsposition wieder erreicht wird. So rollen die Schlangen geradeaus, während ihr Kopf kontinuierlich nach vorne zeigt. Das Einzige, das sich bei jedem dieser Bewegungsabläufe ändert, ist die Seite, auf der der Körper am Kopf vorbeischwingt: ist es erst links, ist es beim nächsten Mal rechts – und so fort.

Mit dieser Technik aus Abdrücken und Abrollen erreichten die Tiere eine beachtliche Geschwindigkeit. Laut den Forschenden legten sie bis zu 3,69 Meter pro Sekunde zurück – und waren somit rund viermal so schnell wie bei einer gewöhnlichen Schlängelbewegung.


Zur Fach-Publikation:
Kojima, Y.; Fukuyama, I.; Hossman, M. Y.; Kaliang, C. H. & Nishikawa, K. (2026): Locomotor kinematics and head stabilization in rolling snakes. Current Biology.

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Aus unserer Rubrik: „In aller Kürze“.

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