Trickreiche Vogelfängerin – die Spinnenschwanzviper

Im Jahr 2006 wurde im Iran eine Schlangenart entdeckt, deren Schwanzspitze einer Spinne erstaunlich ähnelt. Mittlerweile ist klar: Es handelt sich bei der auffälligen Struktur um einen Köder für die Vogeljagd.

von Niklas Kästner

Eine Spinnenschwanzviper (Foto: Omid Mozaffari via Wikimedia Commons, Lizenz: CC0 1.0, zugeschnitten)

Die Evolution treibt manchmal erstaunliche Blüten – dazu gehört ohne Zweifel die Jagdtechnik der Spinnenschwanzviper (Pseudocerastes urarachnoides). Die trickreiche Taktik ist wohl auch der Grund dafür, warum die Art schon eine recht große Bekanntheit erlangt hat, obwohl sie erst vor knapp 15 Jahren entdeckt wurde.

Die Spinnenschwanzviper gehört zur Gattung der Trughornvipern. Sie lebt im Westen des Irans, in Gebirgen mit viel Gipsgestein. Dort jagt sie mit einer raffinierten Methode nach Vögeln. Dazu setzt sie ihre Schwanzspitze ein, der sie auch ihren Namen verdankt: sie sieht einer Spinne verblüffend ähnlich. Still auf dem Gestein ruhend, durch ihre Färbung bestens getarnt, bewegt sie ihre Schwanzspitze hin und her und es entsteht der täuschend echte Eindruck einer krabbelnden Spinne. Kommt ein Vogel, um den vermeintlichen Leckerbissen zu fangen, wird er in Sekundenschnelle vom Jäger zur Beute – die Spinnenschwanzviper schnappt zu.

Eine Spinnenschwanzviper bei der Jagd (Video: B. Fathinia et al. via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY 4.0; geschnitten und mit Erläuterungen von ETHOlogisch)

Fazit

Bereits die Erstbeschreiber*innen der Spinnenschwanzviper hatten den Verdacht, dass es sich bei dem auffälligen „Accessoire“ der Schlange um einen Köder für die Jagd handeln könnte. Mittlerweile konnte diese Hypothese durch Beobachtungen und Filmaufnahmen bestätigt werden – ein eindrucksvolles Beispiel sehen Sie im Video.

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Literatur:
Fathinia, B.; Rastegar-Pouyani, N.; Rastegar-Pouyani, E.; Todehdehghan, F. & Amiri, F. (2015): Avian deception using an elaborate caudal lure in Pseudocerastes urarachnoides (Serpentes: Viperidae). Amphibia-Reptilia 36: 223-231.

Fathinia, B.; Anderson, S. C.; Rastegar-Pouyani, N.; Jahani, H. & Mohamadi, H. (2009): Notes on the natural history of Pseudocerastes urarachnoides (Squamata: Viperidae). Russian Journal of Herpetology 16: 134-138.

Bostanchi, H.; Anderson, S. C.; Gholi Kami, H. & Papenfuss, T. J. (2006): A new species of Pseudocerastes with elaborate tail ornamentation from western Iran (Squamata: Viperidae). Proceedings of the California Academy of Sciences 57: 443-450.

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, können Sie das zum Beispiel so tun:
Kästner, N. (2020): Trickreiche Vogelfängerin – die Spinnenschwanzviper. ETHOlogisch – Verhalten verstehen (www.ethologisch.de, abgerufen am [Datum]).

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