„Babysprache“ bei Tieren: Wenn Fledermausmütter mit ihren Jungen kommunizieren, ändert sich ihre Stimmfarbe

Sprechen wir mit kleinen Kindern, hat unsere Stimme oft einen besonderen Klang. In einer aktuellen Studie wurde dieses Phänomen erstmals bei einer Tierart beschrieben: Wenn weibliche Große Sackflügelfledermäuse mit ihren Jungen kommunizieren, ändern sie ihre Stimmfarbe.

von Niklas Kästner

Mutter und Jungtier der Großen Sackflügelfledermaus
Eine weibliche Große Sackflügelfledermaus (oben) mit ihrem Jungtier im Tagesquartier (Foto: Michael Stifter)

Wenn Mütter mit ihren kleinen Kindern sprechen, ist das meist nicht nur am Inhalt des Gesagten zu erkennen. Auch die Tonlage und der Klang ihrer Stimme verändern sich deutlich – sie benutzen „Babysprache“. In einer aktuellen Studie wurde dieses Phänomen erstmals bei einer Tierart beschrieben: der Großen Sackflügelfledermaus (Saccopteryx bilineata).

Die Große Sackflügelfledermaus – ein „Sprachtalent“

Die Große Sackflügelfledermaus ist in Mittel- und Südamerika beheimatet. Es handelt sich um eine sehr soziale Fledermausart mit einem auffallend großen stimmlichen Repertoire. Dieses erlernen die Jungtiere in den ersten Lebensmonaten. Sie durchlaufen dabei sogar eine Übungsphase, in der sie sich intensiv stimmlich ausprobieren – ganz ähnlich dem Brabbeln kleiner Kinder.

Weibliche Große Sackflügelfledermäuse benutzen spezielle Rufe, um mit ihren Jungtieren zu kommunizieren. Diese unterscheiden sich von den Lauten, die sie gegenüber ihren erwachsenen Artgenossen einsetzen. Das ist soweit nichts Ungewöhnliches – spezielle Lautäußerungen für den Nachwuchs finden sich bei vielen Arten. Die Wissenschaftlerinnen Ahana Fernandez und Mirjam Knörnschild wollten es allerdings genauer wissen und untersuchten, ob die Tiere dabei auch den Klang ihrer Stimme verändern.

Die Studie

Für ihre Untersuchung nahmen die Forscherinnen die Rufe von freilebenden Großen Sackflügelfledermäusen in ihren Tagesquartieren an drei verschiedenen Orten in Zentralamerika auf. Die Aufnahmen begannen jeweils mit der Geburt junger Fledermäuse in einer Kolonie und endeten mit ihrer Entwöhnung in einem Alter von zehn bis zwölf Wochen.

Die Wissenschaftlerinnen verglichen Rufe von Fledermausmüttern, mit denen diese sich an ihre Jungtiere wandten, mit Rufen, die sie an erwachsene Artgenossen richteten. Das Ergebnis der Analyse: Nicht nur die Art der Lautäußerung, sondern auch die Stimmfarbe der Mütter änderte sich deutlich, wenn sie mit ihrem Jungtier kommunizierten.

Fazit

Die Studie zeigt, dass die Stimme weiblicher Großer Sackflügelfledermäuse einen anderen Klang hat, wenn sie Laute an ihre Jungen richten. Über eine mögliche Funktion dieser „Babysprache“ lässt sich vorerst allerdings nur spekulieren. Da die Mütter die Rufe häufig während der „Sprachübungen“ der jungen Fledermäuse abgaben, vermuten Fernandez und Knörnschild, dass es sich um eine Art positiver Rückmeldung für die Jungen handeln könnte. Das ist eine spannende Hypothese, die in zukünftigen Studien näher untersucht werden kann.

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Zur Fach-Publikation:
Fernandez, A. A. & Knörnschild, M. (2020): Pup directed vocalizations of adult females and males in a vocal learning bat. Frontiers in Ecology and Evolution 8: 265.

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, können Sie das zum Beispiel so tun:
Kästner, N. (2020): „Babysprache“ bei Tieren: Wenn Fledermausmütter mit ihren Jungen kommunizieren, ändert sich ihre Stimmfarbe. ETHOlogisch – Verhalten verstehen (www.ethologisch.de, abgerufen am [Datum]).

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