Redest du mit mir? Bei vertrauten Personen achten Katzen auf den Klang der Stimme

Wenn wir mit Tieren sprechen, verändert sich oft der Klang unserer Stimme. In einer aktuellen Studie reagierten Hauskatzen auf die besondere Redeweise – allerdings nur, wenn es sich um die Stimme einer vertrauten Person handelte.

von Niklas Kästner

Achten auf den Klang der Stimme ihrer Bezugspersonen: Hauskatzen (Foto: Bogdan Farca via Unsplash, zugeschnitten)

Als „Babysprache“ wird die besondere Redeweise bezeichnet, in die Erwachsene oft im Umgang mit kleinen Kindern verfallen. Ähnliche Veränderungen von Tonlage und Stimmfarbe lassen sich auch beobachten, wenn Menschen mit ihren Haustieren sprechen. Untersuchungen an Hunden und Pferden legen nahe, dass sich diese Art zu sprechen sogar positiv auf die Mensch-Tier-Interaktion auswirken kann. In einer aktuellen Studie ist ein Forschungsteam der Frage nachgegangen, wie Katzen auf die besondere Redeweise reagieren.

Sätze aus dem Lautsprecher

Im Rahmen der Untersuchung führten die Forschenden Charlotte de Mouzon, Marine Gonthier und Gérard Leboucher ein Experiment mit männlichen und weiblichen Wohnungskatzen in deren vertrauter Umgebung durch. Im Abstand von 30 Sekunden spielten sie ihnen Tonaufnahmen einer weiblichen Person vor, die sie zuvor aufgenommen hatten. Diese sprach immer den gleichen Satz, z.B. „Wie geht es dir?“ oder „Möchtest du spielen?“. Bei den ersten drei Aufnahmen hatte die Frau damit allerdings eine erwachsene Person angesprochen, bei der vierten eine Katze.

Wie erwartet gewöhnte sich die überwiegende Zahl der Katzen mit der Zeit an die aus dem Lautsprecher erklingende Stimme: Sie reagierten kaum noch, als der Satz zum dritten Mal erklang. Doch wie verhielten sich diese Katzen, als die Forschenden ihnen anschließend denselben Satz mit veränderter Redeweise vorspielten?

Auf die Sprecherin kommt es an

Das Ergebnis hing davon ab, um wessen Stimme es sich handelte. Wurden die Sätze von ihrer Halterin gesprochen, zeigten die Katzen eine deutlich stärkere Reaktion als bei der davor abgespielten Aufnahme – ein klarer Beleg dafür, dass sie die an sie gerichteten Sätze von den an Menschen gerichteten Sätzen unterschieden. Wurden die Sätze hingegen von einer fremden Person gesprochen, gab es diesen Effekt nicht: Hier unterschied sich die Reaktion der Katze auf den an einen Artgenossen gerichteten Satz nicht von der auf den zuvor abgespielten Satz, der an einen Menschen gerichtet war.

Fazit

Die Studie legt nahe, dass Katzen bei ihrer Bezugsperson unterscheiden, ob sie angesprochen werden oder ein Mensch – nicht jedoch bei Fremden. Das deutet daraufhin, dass Katzen im Umgang mit ihnen vertrauten Personen lernen, auf den Klang ihrer Stimme zu achten.

Allerdings betonen die Forschenden, dass sich das Ergebnis der Untersuchung nicht zwangsläufig auf alle Katzen übertragen lässt. Sie halten es für möglich, dass Tiere mit viel Kontakt zu verschiedenen Personen auch bei Fremden auf Unterschiede in der Redeweise reagieren.  


Zur Fach-Publikation:
de Mouzon, C.; Gonthier, M. & Leboucher G. (2022): Discrimination of cat-directed speech from human-directed speech in a population of indoor companion cats (Felis catus). Animal cognition.

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