Forschenden ist es mit Hilfe von Drohnen erstmals gelungen, eine Pottwalgeburt filmisch zu dokumentieren. Die Aufnahmen belegen eine bemerkenswerte Zusammenarbeit: Alle Gruppenmitglieder halfen dabei, das Kalb zu stützen – unabhängig vom Verwandtschaftsgrad.

Am Morgen des 03. Juli 2023 machten Forschende des CETI-Projekts vor der Küste der Karibikinsel Dominica eine außergewöhnliche Beobachtung: Alle elf Tiere einer ihnen bekannten Gruppe von Pottwalen (Physeter macrocephalus) befanden sich dicht beieinander an der Wasseroberfläche. Das Team filmte die Tiere über mehrere Stunden hinweg mit zwei Kameradrohnen, und wurde so Zeuge eines von Menschen bislang erst wenige Male beobachteten Ereignisses: Der Geburt eines Pottwalkalbs. In zwei aktuellen Studien berichten sie vom Ablauf der Geschehnisse.
Während des Geburtsvorgangs, der vom Erscheinen der Fluke bis zum Austritt des Kopfes etwa 34 Minuten dauerte, war die Aufmerksamkeit der übrigen Wale auf das Muttertier gerichtet. Dies änderte sich, nachdem das Kalb auf der Welt war: Nun wendeten sich die Tiere dem Neuankömmling zu. Alle Wale der Gruppe beteiligten sich daran, das Jungtier zu stützen und an der Wasseroberfläche zu halten. Erst nach etwa einer Stunde löste sich die dichte Zusammenkunft der Wale langsam auf – und eine weitere Stunde später tauchte das erste Tier ab, um auf Nahrungssuche zu gehen.
Besonders bemerkenswert an der „Geburtshilfe“: Die beobachtete Gruppe besteht aus zwei sogenannten Matrilinien, die jeweils ein Weibchen und seine Nachkommen umfassen, untereinander aber nicht näher verwandt sind. Es handelte sich also um eine familienübergreifende Kooperation.
Die Beobachtungen der Forschenden rund um die Geburt des Kalbs geben einen beeindruckenden Einblick in das komplexe Sozialverhalten von Pottwalen, die wegen ihrer oft tiefen Tauchgänge nur schwer zu beobachten sind. Entsprechend dauerte es auch rund zwölf Monate, bis das Team die Tiere dieser Gruppe wieder entdeckte. Mit dabei das Jungtier, das sein erstes Lebensjahr – welches für Pottwale besonders gefährlich ist – offensichtlich überstanden hatte.
Zu den Fach-Publikationen:
Maalouf, A.; DelPreto, J.; Lucas, M.; Poetto, S.; Andreas, J.; Torralba, A.; Gero, S.; Petri, G.; Rus, D.; Gruber, D. F. (2026): Cooperation by non-kin during birth underpins sperm whale social complexity. Science.
Aluma, Y.; Baron, Z.; Barrett, R.; Baumgartner, C.; Begus, G.; Bhattacharya, S. (…) & Wood, R. J. (2026): Description of a collaborative sperm whale birth and shifts in coda vocal styles during key events. Scientific Reports.
Aus unserer Rubrik: „In aller Kürze“.
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