Gut gerüstet: Helm schützt Knallkrebse vor selbst erzeugten Schockwellen

Knallkrebse erzeugen durch das Zuschnappen einer speziellen Schere gewaltige Druckwellen, mit denen sie Beutetiere betäuben. Eine aktuelle Studie zeigt: Ein helmartiger Auswuchs des Exoskeletts schützt die Krebse davor, dass sie selbst dabei Schaden nehmen.

von Niklas Kästner

Ein Knallkrebs mit stark vergrößerter Schere
Ein Knallkrebs mit stark vergrößerter Schere (Foto: Christian Gloor via Flickr, Lizenz: CC BY 2.0, zugeschnitten)

Knallkrebse (Familie Alpheidae) tragen auf einer Körperseite eine besondere Schere. Diese können sie so schnell zuschnappen lassen, dass sich im Wasser kleine dampfgefüllte Blasen bilden, welche umgehend mit lautem Knall implodieren. Die dabei entstehende Druckwelle ist so gewaltig, dass die Krebse damit Beutetiere betäuben können, darunter andere Krebstiere und kleine Fische. Und nicht nur bei der Jagd, auch bei der Kommunikation mit Artgenossen kommt die „Knallschere“ zum Einsatz.

Entsprechend häufig sind Knallkrebse selbst Schockwellen ausgesetzt – sowohl den eigenen als auch denen ihrer Rivalen. Wie kommt es, dass sie im Gegensatz zu ihren Beutetieren dabei kein Trauma davontragen?

Die Antwort auf diese Frage geben Forschende um Alexandra Kingston und Daniel Speiser in einer aktuellen Studie. In Versuchen mit Knallkrebsen der Art Alpheus heterochaelis konnten sie zeigen, dass eine helmartige Erweiterung des Außenskeletts die Köpfe der Tiere schützt. Unter diesem Helm befindet sich Wasser, welches ausströmt, wenn der Krebs von einer Schockwelle getroffen wird – was die Wucht des Aufpralls erheblich abmildert.

Wie sehr die Krebse von ihrer „Schutzausrüstung“ profitieren, wurde in einem Verhaltensexperiment deutlich: Wenn die Forschenden den Helm entfernten und die Krebse dem Knall eines Artgenossen aussetzten, hinterließ dieser deutliche Spuren. Manche Individuen verloren die Orientierung, manche die Kontrolle über ihre Bewegungen – und manche zeigten beide Symptome auf einmal.


Aus unserer Rubrik: „In aller Kürze“.

Zur Fach-Publikation:
Kingston, A. C. N.; Woodin, S. A.; Wethey, D. S. & Speiser, D. I. (2022): Snapping shrimp have helmets that protect their brains by dampening shock waves. Current Biology 32.

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, können Sie das zum Beispiel so tun:
Kästner, N. (2022): Gut gerüstet: Helm schützt Knallkrebse vor selbst erzeugten Schockwellen. ETHOlogisch – Verhalten verstehen (www.ethologisch.de, abgerufen am [Datum]).

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