„Das ist das Quietscheentchen“: Hunde lernen Wörter aus Unterhaltungen zwischen Menschen

Manche Hunde kennen ihre Spielzeuge beim Namen. Eine aktuelle Studie zeigt: Besonders begabte Wortlerner können ihr Vokabular sogar erweitern, indem sie Menschen zuhören, die sich über einen bestimmten Gegenstand unterhalten.

von Niklas Kästner

Miso, einer der Studienteilnehmer, kennt die Namen von rund 200 Spielzeugen (Foto: Veronica Suen)

Es gibt Hunde mit einer ganz besonderen Begabung dafür, Namen von Objekten zu erlernen. Das Repertoire solcher begabten Wortlerner („Gifted Word Learner“ in der englischsprachigen Fachliteratur) umfasst teils hunderte Begriffe und sie können sogar Objekte nach ihrer Funktion kategorisieren.

Für gewöhnlich lernen die Hunde die Namen ihrer Spielzeuge dadurch, dass ihre Bezugspersonen diese beim gemeinsamen Spielen immer wieder erwähnen. In einer aktuellen Studie untersuchte ein Forschungsteam um Shany Dror und Claudia Fugazza, ob die Tiere Objektbezeichnungen auch auf anderem Wege aufschnappen können. Dazu führten die Forschenden ein Experiment mit insgesamt zehn Hunden durch, die sich allesamt zuvor als begabte Wortlerner erwiesen hatten. Im Durchschnitt kannten diese Tiere bereits die Namen von 84 unterschiedlichen Spielzeugen.

Der erste Schritt: Wortlernen nach festem Schema

In einem Teil des Experiments waren die Bezugspersonen dieser Hunde aufgefordert, ihnen nach einem bestimmten Schema die Namen von zwei neuen Spielzeugen beizubringen. Sie zeigten ihnen dazu ein unbekanntes Objekt, beispielsweise ein Quietscheentchen, und sagten für eine Minute Sätze wie „Das ist das Quietscheentchen!“ oder „Willst du das Quietscheentchen?“. Dann spielten sie für drei Minuten mit ihrem Hund mit dem Gegenstand, und anschließend durften sich die Tiere noch bis zu 20 Minuten allein damit beschäftigen. An einem anderen Tag zeigten sie ihnen ein anderes Objekt, beispielsweise eine Gummiananas, und führten das gleiche Prozedere durch. Insgesamt absolvierten sie den kompletten Ablauf im Verlauf mehrerer Tage acht Mal für jedes der beiden neuen Spielzeuge.

Nach dieser Trainingsphase wurde der Lernerfolg der Tiere getestet: Die Halterinnen legten die beiden neuen Spielzeuge gemeinsam mit neun weiteren Spielzeugen, die die Hunde bereits länger kannten, in einen Raum. Dann gingen sie in einen Nebenraum und forderten von dort ihren Hund auf, ihnen eins der Objekte zu bringen. Manchmal sagten sie dabei den Namen eines der schon zuvor bekannten Spielzeuge, manchmal den eines der beiden neuen. Das Ergebnis: Die Tiere brachten überdurchschnittlich häufig das korrekte Spielzeug – und zwar unabhängig davon, ob es sich um eins der neuen Objekte handelte oder um eines, das ihnen schon länger bekannt war.

Der zweite Schritt: Wortlernen durch Belauschen eines Gesprächs

Der zweite Teil des Experiments war der für die Fragestellung des Teams entscheidende. Der Ablauf war dabei identisch zu dem des ersten Teils – wieder galt es für die Hunde die Namen zweier zuvor unbekannter Objekte zu lernen. Aber: In der ersten Minute sprach die Bezugsperson diesmal nicht direkt mit dem Hund, sondern stattdessen mit einem Familienmitglied, während der Hund sich in ihrer Nähe aufhielt. Sie zeigte ihrem Gegenüber eins der beiden neuen Spielzeuge, sagte ihm dessen Namen oder fragte, ob es dieses haben wolle – analog dazu, wie sie es im ersten Teil des Experiments gegenüber dem Hund gemacht hatte.

Studienteilnehmerin Basket hört, wie sich zwei Personen über das „Armadillo“ unterhalten (Video: Elle Baumgartel)

Wie würden die Hunde nun im abschließenden Test abschneiden? Das Ergebnis war beeindruckend: Erneut brachten die Tiere überdurchschnittlich häufig das von der Bezugsperson benannte Spielzeug – und das galt auch für die beiden neuen Objekte, deren Namen sie bisher lediglich im Gespräch zwischen zwei Menschen gehört hatten.

Basket wird aufgefordert, das Armadillo aus dem Nebenraum zu holen (Video: Shany Dror)

Fazit

Die Untersuchung belegt: „Gifted Word Learner“ können Namen neuer Spielzeuge lernen, indem sie den Gesprächen zwischen zwei Personen lauschen. Damit erbringt die Studie einen weiteren faszinierenden Beleg für die erstaunliche „Sprachbegabung“ mancher Hunde – und zeigt, wie flexibel diese ihr Vokabular erweitern können.

Zur Fach-Publikation:
Dror, S.; Miklósi Á.; Morvai, B.; Nastase, A.-S. & Fugazza, C. (2026): Dogs with a large vocabulary of object labels learn new labels by overhearing like 1.5-year-old infants. Science.

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