Alle Vögel fliegen hoch: Mondlicht beeinflusst Flughöhe von Schwarzseglern

Im Rahmen einer aktuellen Studie untersuchten Forschende das Flugverhalten von Schwarzseglern. Sie stellten fest: Die Vögel steigen in hellen Nächten in erstaunliche Höhen auf – möglicherweise, um im Licht des Mondes Jagd auf Insekten zu machen.

von Niklas Kästner

Ein Schwarzsegler am Boden.
Ein Schwarzsegler am Boden (Foto: Spring Fed Images via Unsplash, zugeschnitten)

Schwarzsegler (Cypseloides niger) sind amerikanische Verwandte der bei uns heimischen Mauersegler (Apus apus). Wie diese sind sie beeindruckende Flugkünstler und geschickte Insektenjäger. Im Zuge einer aktuellen Studie stellte ein Forschungsteam zudem fest, dass auch Schwarzsegler außerhalb der Brutzeit fast ununterbrochen in der Luft bleiben. In Bezug auf die nächtliche Aktivität der Vögel machte das Team dabei eine überraschende Entdeckung: Ihre Flughöhe hängt offenbar mit dem Licht des Mondes zusammen.

Mondlicht und Flughöhe

Für die Untersuchung versahen die Forschenden um Anders Hedenström und Susanne Åkeson sieben Schwarzsegler einer Brutkolonie in Colorado mit Sendern. Diese übermittelten über viele Monate Informationen über den Aufenthaltsort und die Flughöhe der Tiere.

Die Auswertung der Daten zeigte, dass die Schwarzsegler außerhalb der Brutzeit bis auf wenige Aufnahmen sowohl am Tag als auch in der Nacht ständig in der Luft waren. Dabei flogen sie tagsüber meist in einer Höhe zwischen 500 und 900 Metern. Nachts allerdings ergaben sich diesbezüglich auffällige Schwankungen: Während die Flughöhe der Vögel in der Zeit um den Neumond ähnlich wie am Tag im Schnitt etwa 700 Meter betrug, waren es in mondhellen Nächten rund 2.000 Meter – mit Spitzenwerten von über 4.000 Metern.

Forcshende mit einem Schwarzsegler.
Mitglieder des Forschungsteams mit einem Schwarzsegler (Foto: Maddie Jordan, zugeschnitten)

Eine Mondfinsternis als natürliches Experiment

Ob es tatsächlich das Licht des Mondes war, von dem die Flughöhe der Segler abhing, konnten die Forschenden mithilfe eines sogenannten „natürlichen Experiments“ überprüfen. Denn in den Zeitraum der Untersuchung fiel eine totale Mondfinsternis. Und tatsächlich reagierten die Vögel auf die Veränderung der Lichtverhältnisse: Waren sie zuvor in der für Vollmondnächte typischen Höhe geflogen, sanken sie herab, als sich der Himmel verdunkelte – und stiegen wieder auf, sobald das Ereignis vorüber war.

Fazit

Die Studie offenbart, dass die nächtliche Flughöhe von Schwarzseglern stark vom Mondlicht abhängt. Doch was veranlasst die Vögel, in hellen Nächten mehrere tausend Meter aufzusteigen? Diese Frage lässt sich vorerst nicht eindeutig beantworten. Die Forschenden haben jedoch eine Vermutung: Möglicherweise finden sich nachts in großer Höhe viele Insekten – und das Licht des Mondes erlaubt es den Seglern, erfolgreich Jagd auf sie zu machen.


Hier finden Sie einen weiteren Beitrag über gefiederte Flugkünstler: Die erstaunlichen Höhenflüge der Drosselrohrsänger

Zur Fach-Publikation:
Hedenström, A.; Sparks, R. A.; Norevik, G.; Woolley, C.; Levandoski, G. J. & Åkeson, S. (2022): Moonlight drives nocturnal vertical flight dynamics in black swifts. Current Biology 32.

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, können Sie das zum Beispiel so tun:
Kästner, N. (2022): Alle Vögel fliegen hoch: Mondlicht beeinflusst Flughöhe von Schwarzseglern. ETHOlogisch – Verhalten verstehen (www.ethologisch.de, abgerufen am [Datum]).

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