Trennung auf der Hochzeit: Wie männliche Termiten damit umgehen, hängt von der Anzahl anderer Heiratswilliger ab

Nach dem Hochzeitsflug finden sich Termiten zu Paaren zusammen. Dabei kommt es häufig vor, dass sie unfreiwillig getrennt werden. Eine aktuelle Studie zeigt: Wie die Männchen sich daraufhin verhalten, hängt von Anzahl der anwesenden paarungsbereiten Artgenossen ab.

von Niklas Kästner

Heiratswillige Termiten
„Heiratswillige“ Termiten der Gattung Coptotermes (Art: C. formosanus; Foto: Scott Bauer, USDA Agricultural Research Service)

Beim Hochzeitsflug schwärmen geflügelte Termitenmännchen und -weibchen aus und landen entfernt von ihrem Geburtsbau am Boden. Dort werfen sie ihre Flügel ab und beginnen mit der Partnersuche. Bei der Art Coptotermes gestroi finden diese „Hochzeiten“ meist auf einem Baumstumpf statt – und unterscheiden sich erheblich in der Zahl der Teilnehmenden. Manchmal versammeln sich nur einige wenige und manchmal bis zu 10.000 Tiere auf einem Quadratmeter.

Hat sich ein Paar gefunden, beginnt es einen sogenannten Tandemlauf: Das Weibchen begibt sich dicht gefolgt vom Männchen auf die Suche nach einem geeigneten Neststandort. Anders als bei Ameisen stirbt das Männchen nämlich nicht nach der Hochzeit, sondern lebt mit der Königin im Staat, wo es sie wiederholt begattet.

Während des Tandemlaufs kommt es häufig dazu, dass das Paar getrennt wird. Entweder wird es durch kreuzende Artgenossen auseinandergebracht oder das Männchen verliert den Anschluss. Wie die zukünftigen Könige sich dann verhalten, hängt laut einer aktuellen Studie von der Größe der Hochzeit ab: Sind kaum Artgenossen in der Nähe unterwegs, laufen sie langsam suchend umher und finden so meist ihre Partnerin wieder. Sind hingegen viele „Heiratswillige“ anwesend, sind sie wesentlich schneller unterwegs. So finden sie rasch wieder ein Weibchen – auch wenn es nicht das ursprüngliche ist.

Die Studie

Die Termiten der Art Coptotermes gestroi stammen ursprünglich aus Südostsien, sind aber inzwischen auch in Nord- und Südamerika eingeschleppt worden. Ein Team um die Wissenschaftler Nobuaki Mizumoto und Thomas Chouvenc fing für die Untersuchung geflügelte Männchen und Weibchen in Florida ein. Sobald die Tiere ihre Flügel abgeworfen hatten, setzten die Wissenschaftler*innen sie in kleine Arenen.  In manchen befanden sich nur ein Männchen und ein Weibchen, in anderen jeweils zwei, vier oder acht Tiere beider Geschlechter. Unter diesen Bedingungen hielten die Insekten ihre Hochzeit ab – welche mit Videokameras genauestens dokumentiert wurde. Das Forscherteam hatte die einzelnen Termiten farblich markiert und konnte dadurch ihr Verhalten während des Tandemlaufs genauestens verfolgen.

Ein geflügeltes Individuum der untersuchten Termitenart (Foto: Thomas Chouvenc)
Das Ergebnis

Die Untersuchung ergab einen deutlichen Einfluss der Hochzeitsgröße auf das Verhalten der männnlichen Termiten. War nur ein Paar in der Arena anwesend und ein Männchen verlor den Anschluss, machte es sich in verhältnismäßig langsamem Tempo auf die Suche. Diese war nach durchschnittlich 10 – 15 Sekunden erfolgreich – und das Paar war wieder vereint.

Waren mehrere Paare in der Arena anwesend, verfolgten die Männchen jedoch eine andere Strategie: Sie führten ebenfalls einen Suchlauf durch, allerdings in einem wesentlich höheren Tempo. In einer Arena mit insgesamt 8 Paaren brauchten sie so nur durchschnittlich 5 Sekunden bis sie den Tandemlauf fortsetzen konnten – in drei Viertel der Fälle führten sie diesen allerdings mit einer neuen Partnerin durch.

Fazit

Die Ergebnisse des Experiments legen nahe, dass männliche Termiten je nach Anwesenheit alternativer Partnerinnen und möglicher Konkurrenten ihre Suchstrategie nach einer Trennung anpassen. Mathematische Simulationen der Wissenschaftler*innen belegen, dass dieses Verhalten für sie von Vorteil ist. Sind die Männchen mit ihrem Weibchen weitgehend allein, suchen sie langsam. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, sich rasch in die falsche Richtung zu bewegen – und die Partnerin gänzlich zu verlieren. Sind viele Artgenossen anwesend, legen sie ein höheres Tempo vor. So finden sie unter den zahlreichen Artgenossinnen besonders schnell wieder eine Partnerin – und das könnte in Anbetracht der großen Konkurrenz durch andere Männchen entscheidend sein.

Und was ist mit den Weibchen? Interessanterweise machten diese sich nach einer Trennung stets verhältnismäßig langsam auf die Suche – unabhängig von der Anzahl anderer „Heiratswilliger“. Warum sie ihre Strategie nicht wie die Männchen an die Zahl der anwesenden Artgenossen anpassen, bleibt vorerst unklar.

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Zur Fach-Publikation:
Mizumoto, N.; Rizo, A.; Pratt, S. C. & Chouvenc, T. (2020): Termite males enhance mating encounters by changing speed according to density. Journal of Animal Ecology.

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, können Sie das zum Beispiel so tun:
Kästner, N. (2020): Trennung auf der Hochzeit: Wie männliche Termiten damit umgehen, hängt von der Anzahl anderer Heiratswilliger ab. ETHOlogisch – Verhalten verstehen (www.ethologisch.de, abgerufen am [Datum]).

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