Die Kuckucksente – ein besonderer Brutparasit

Ihr Name verrät es bereits: Die Kuckucksente schmuggelt ihre Eier in die Nester anderer Vogelarten. Für die unfreiwilligen Adoptiveltern hat das allerdings weit weniger schlimme Konsequenzen als beim namensgebenden Kuckuck – denn die kleinen Enten sind Nestflüchter.

von Niklas Kästner

Die Kuckucksente legt ihre Eier in die Nester fremder Arten
Ein Kuckucksenten-Pärchen (Foto: Cláudio Dias Timm via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 2.0, zugeschnitten)

Der Kuckuck ist für seine außergewöhnliche Fortpflanzungsstrategie bekannt: Die Weibchen legen ihre Eier in Nester anderer Arten und überlassen den unfreiwilligen Adoptiveltern die Jungenaufzucht. Doch er ist längst nicht der einzige Vogel, der so vorgeht – insgesamt etwa hundert Arten gibt es, die das Brutgeschäft komplett „outsourcen“. Unter diesen sticht eine besonders hervor: Die in Südamerika beheimatete Kuckucksente (Heteronetta atricapilla). Sie ist nicht nur der einzige Entenvogel unter den sogenannten „obligatorischen Brutparasiten“, sondern auch die einzige Art, deren Küken Nestflüchter sind. Direkt nach dem Schlüpfen sind sie selbstständig und verlassen das Wirtsnest meist binnen eines Tages. Weder konkurrieren sie mit ihren „Geschwistern“ um das von den Eltern gebrachte Futter, noch befördern sie diese aus dem Nest, wie es der Nachwuchs anderer Brutparasiten tut.

Für den Bruterfolg der Wirtseltern sind die Kuckucksenteneier also keine wesentliche Bedrohung. Das könnte erklären, warum die Enten sich nicht einmal besondere Mühe geben, ihren Betrug zu tarnen: Anders als andere Brutparasiten entfernen sie kein Ei aus dem Nest, wenn sie eins hineinlegen. Und ihre Eier unterscheiden sich meist deutlich von denen der parasitierten Arten.

Die Hauptwirte der Kuckucksente sind zwei Blässhuhnarten (Fulica armillata und Fulica rufifrons). Tatsächlich weisen Beobachtungen der Forscher John Eadie und Bruce Lyon darauf hin, dass die Blässhühner die fremden Eier zwar fast immer erkennen, aber trotzdem häufig nicht aus ihrem Nest entfernen: Während die Tiere unter normalen Bedingungen etwa 35 bis 65 Prozent der fremden Eier zurückweisen, kann die Rate nach heftigen Regenfällen auf über 90 Prozent ansteigen. Die Blässhühner bauen dann ihre Nester als Antwort auf den steigenden Wasserpegel höher – heben aber nur ihre eigenen Eier an und nicht die der Enten.

Fazit

Das Verhalten der Kuckucksente gibt Forscher*innen noch immer Rätsel auf. Für Arten, deren Nachwuchs ein hohes Maß an Fürsorge nach dem Schlüpfen erfordert, liegt der Nutzen des Brutparasitismus‘ auf der Hand. Die Kuckucksenten sparen lediglich den Aufwand von Nestbau und Brüten – gehen dafür aber das Risiko ein, dass die Wirtseltern die fremden Eier zurückweisen. Wieso hat sich bei ihnen dennoch Parasitismus als Fortpflanzungsstrategie entwickelt? Das bleibt vorerst das Geheimnis dieser außergewöhnlichen Vögel.  

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Literatur:
Eadie, J. M. & Lyon B. E. (2020): Environmentally driven escalation of host egg rejection decimates success of an avian brood parasite. Behavioral Ecology.

Lyon, B. E. & Eadie, J. M. (2013) Patterns of host use by a precocial obligate brood parasite, the Black-headed Duck: ecological and evolutionary considerations. Chinese Birds 4: 71–85.

Lyon, B. E. & Eadie, J. M. (2004) An obligate brood parasite trapped in the intraspecific arms race of its hosts. Nature 432: 390-393.

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, können Sie das zum Beispiel so tun:
Kästner, N. (2020): Die Kuckucksente – ein besonderer Brutparasit. ETHOlogisch – Verhalten verstehen (www.ethologisch.de, abgerufen am [Datum]).

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