„Kuckick“ statt „Kuckuck“ – untypischer Ruf führt nicht zu Verständigungsproblemen zwischen Männchen

Sein markanter Ruf verhalf dem Kuckuck zu seinem Namen. Manche Männchen tanzen allerdings aus der Reihe: Sie rufen gelegentlich „Kuckick“ statt „Kuckuck“. Einer aktuellen Studie zufolge verstehen ihre gleichgeschlechtlichen Artgenossen sie aber trotzdem.

von Niklas Kästner

Ein Kuckuck
Ein Kuckuck (Foto: Manoj Ayer via Pixabay, zugeschnitten)

„Kuckick, Kuckick“ ruft’s aus dem Wald1. Klingt komisch? Kommt aber vor. Rund fünf Prozent der männlichen Kuckucke (Cuculus canorus) in einem ungarischen Forschungsgebiet streuen den untypischen Ruf in ihren „Gesang“ ein. Manche von ihnen verwenden ihn sogar häufiger als die namensgebende Alternative. Das führt einer aktuellen Studie zufolge allerdings nicht zu Problemen bei der Verständigung mit anderen Männchen.

1Die Bezeichnung des Rufs ist aus dem Englischen „übersetzt“. In der Studie wird der typische Ruf des Kuckucks mit „cu-coo“ bezeichnet und die seltene Variante mit „cu-kee“.

Die Studie

Männliche Kuckucke bekunden mit ihrem auffälligen Ruf den Anspruch auf ihr Territorium. Entsprechend gereizt reagieren sie, wenn dort die Rufe eines anderen Männchens erklingen. Was aber, wenn der Eindringling „Kuckick“ statt „Kuckuck“ ruft – wird er von den Territorieninhabern dennoch als Konkurrent erkannt?

Dieser Frage gingen die Wissenschaftler Csaba Moskát, David Taylor und Mark Hauber in einem Forschungsgebiet südlich von Budapest nach. Sie spielten aus einem Lautsprecher „Kuckuck“- oder „Kuckick“-Rufe in verschiedenen Territorien männlicher Kuckucke ab und beobachteten das Verhalten der Vögel. Um die Bedeutung der einzelnen Silben zu untersuchen, ließen sie außerdem manchmal nur den ersten Teil des Rufs („Kuc“) und manchmal nur den zweiten („kuck“ bzw. „kick“) erklingen.

Eine Kostprobe der untypischen Rufvariante:

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Das Ergebnis

Ob in ihrem Territorium „Kuckuck“- oder „Kuckick“-Rufe ertönten, spielte für die Reaktion der Kuckucke keine Rolle. In beiden Fällen flogen sie auf den Lautsprecher zu und um ihn herum, um sich dann in der Nähe auf einen Ast zu setzen – von wo aus sie den „Eindringling“ genau im Blick behielten.

Eine mögliche Erklärung dafür, dass die untypische Rufvariante die Territorieninhaber nicht irritierte, lieferte das Abspielen der einzelnen Rufteile: Erklang nur die erste Silbe, reagierten die Kuckucke genauso wie auf den kompletten Ruf. Erklang hingegen nur die zweite Silbe, näherte sich kaum einer der Vögel dem Lautsprecher – und zwar unabhängig davon, ob es sich dabei um ein „kuck“ oder ein „kick“ handelte.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie zeigen: „Kuckick“-rufende Kuckucke werden von ihren männlichen Artgenossen trotz der gesanglichen Abweichung als Konkurrenten erkannt. Das liegt anscheinend daran, dass dafür die erste Silbe des Rufs entscheidend ist – und die ist bei den „Kuckick“- und „Kuckuck“-Rufen exakt gleich.

Offen bleibt vorerst allerdings, ob die ungewöhnliche Rufvariante besser oder schlechter beim anderen Geschlecht ankommt. Zwar hatten die Forscher während ihres Versuchs auch die Reaktion der Weibchen im Blick. Doch kein einziges zeigte Interesse am Lautsprecher – egal welche Rufe daraus erklangen.

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Zur Fach-Publikation:
Moskát, C.; Taylor, D. M. & Hauber, M. E. (2021): Effective conspecific communication with aberrant calls in the common cuckoo (Cuculus canorus). Behavioral Ecology and Sociobiology 75: 7.

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, können Sie das zum Beispiel so tun:
Kästner, N. (2021): „Kuckick“ statt „Kuckuck“ – untypischer Ruf führt nicht zu Verständigungsproblemen zwischen Männchen. ETHOlogisch – Verhalten verstehen (www.ethologisch.de, abgerufen am [Datum]).

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