Eine aktuelle Studie zeigt: Wo Afrikanische Elefanten leben, gibt es eine höhere Vielfalt kotfressender Käfer – und die wiederum spielen eine bedeutende Rolle für den Abbau tierischer Hinterlassenschaften und die Verbreitung darin enthaltener Samen.

Pillendreher und andere kotfressende Käfer spielen in der ostafrikanischen Savanne eine wichtige ökologische Rolle: Sie beschleunigen den Abbau von Tierkot, machen die Nährstoffe darin für andere Arten verfügbar und verbreiten in den Ausscheidungen enthaltene Samen. Afrikanische Elefanten (Loxodonta africana) haben dabei allein durch die schiere Masse ihrer Hinterlassenschaften eine große Bedeutung als Nahrungslieferanten: Schätzungen zufolge kann ein einzelner Elefant mit seinem Kot rund zwei Millionen Käfer pro Tag versorgen. Wie genau sich die An- oder Abwesenheit der größten Landsäugetiere auf das Vorkommen der Insekten auswirkt, hat ein Forschungsteam im Rahmen einer aktuellen Studie in Kenia untersucht.
„Kot-Cafeteria“ in der Savanne
Die Forschenden um Finote Gijsman und Robert Pringle interessierte zunächst, wie die im Untersuchungsgebiet lebenden Dungkäfer (Familie Blatthornkäfer, Unterfamilien Aphodiinae & Scarabaeinae) auf die Hinterlassenschaften unterschiedlicher Säugetiere reagieren. Dazu platzierten sie dort 504 trichterförmige Fallen mit frischem Kot verschiedener Arten. Dieser stammte – je nach Falle – von Elefanten, Giraffen, Zebras, Büffeln, Hausrindern, Kudus, Impalas, Dik-Diks sowie von einem sich vegetarisch ernährenden Menschen. Nach einigen Stunden überprüfte das Team, wie viele Käfer welcher Art sich in den Fallen befanden.
Das Ergebnis dieses sogenannten „Cafeteria-Experiments“ war beeindruckend. Insgesamt fingen die Forschenden 4.231 Käfer aus 132 Arten. Diese verteilten sich allerdings keineswegs gleichmäßig auf die unterschiedlichen Köder: In den Fallen mit Elefantenkot landeten zum einen deutlich mehr Individuen und zum anderen deutlich mehr unterschiedliche Arten als in den übrigen Fallen. Ein Nahrungsnetz, das die Forschenden aus den Ergebnissen konstruierten, unterstreicht die herausgehobene Stellung der Dickhäuter: Sie hatten Verbindungen zu stolzen zwei Dritteln der Käferarten – wesentlich mehr als die übrigen Spezies.
Kein Zutritt für Elefanten
Die mithilfe der Fallen erhobenen Daten lassen erahnen, wie groß die Folgen für die Käfervielfalt sein dürften, wenn die Elefanten aus der Savanne verschwänden. Eine Annahme, die durch Modellrechnungen des Forschungsteams gestützt wird – diesen zufolge würde ein Aussterben der Dickhäuter deutlich mehr Arten zum Verhängnis werden als das eines der anderen Säugetiere aus dem Cafeteria-Experiment.
Doch die Forschenden beließen es nicht bei dieser Simulation, sondern machten direkt die Probe aufs Exempel. Im Rahmen eines großangelegten Ausschluss-Experiments richteten sie im Untersuchungsgebiet mehrere Bereiche ein, aus denen sie Elefanten mithilfe von Elektrodraht fernhielten, während Zebras und Antilopen weiter ungestört Zugang hatten. Aus anderen Bereichen wiederum sperrten sie alle Säugetiere mit einer Masse von über 5 Kilogramm aus – und wieder andere Bereiche konnten alle Tiere in der Savanne ungehindert betreten.
Nach 15 Jahren machte sich das Team auf und untersuchte, wie viele kotfressende Käfer in den unterschiedlichen Bereichen lebten. Dabei passte das Ergebnis exakt zu den Vorhersagen aus ihrem Modell: So fanden sich in den Gebieten ohne Elefanten im Durchschnitt 23 Prozent weniger Käferarten als in den Gebieten mit Elefanten – selbst dann, wenn dort Zebras und Antilopen weiterhin Zugang hatten. Dabei waren insbesondere solche Spezies in den elefantenfreien Gebieten seltener, die im Cafeteria-Experiment eine besondere Präferenz für den Kot der Dickhäuter gezeigt hatten. Und auch die Gesamtzahl der Käfer war in den Gebieten ohne Elefanten im Schnitt um ganze 67 Prozent geringer.
Fazit
Die umfassende Studie des Forschungsteams enthüllt die große Bedeutung, welche die Hinterlassenschaften der Elefanten für die Anzahl und die Artenvielfalt der kotfressenden Käfer in der afrikanischen Savanne hat. Verschwinden die Dickhäuter, hat dies messbar negative Auswirkungen auf das Vorkommen der Insekten – was vor dem Hintergrund ihrer großen ökologischen Bedeutung weitere Folgen haben dürfte. Und tatsächlich sammelten die Forschenden auch dazu im Rahmen ihres Ausschluss-Experiments Daten. So verteilten sie mit Samen gespickten Kot in den unterschiedlichen Bereichen – und stellten fest, dass in Gebieten mit Elefanten nach zehn Tagen deutlich mehr davon verschwunden war als in Gebieten ohne Elefanten.
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