Eifersüchtige Affen? Paviane drängen sich zwischen ihre Mütter und Geschwister

Eine aktuelle Studie zeigt: Bärenpaviane gehen mitunter dazwischen, wenn ihre Geschwister von der Mutter gelaust werden – und das vor allem dann, wenn diese besonders viel Zuwendung erhalten. Ihr Verhalten erinnert stark an das von eifersüchtigen Kindern.

von Niklas Kästner

Im Rahmen der Studie beobachteten die Forschenden Bärenpaviane in Namibia (Foto: Dr. Axelle Delaunay)

Weibliche Bärenpaviane (Papio ursinus) bekommen etwa alle zwei Jahre ein Jungtier. Auch wenn der Nachwuchs nicht mehr auf die Milch der Mutter angewiesen ist, bleibt er in ihrer Nähe – die Weibchen dauerhaft, die Männchen bis zu einem Alter von sechs bis neun Jahren. Wie für Primaten typisch, verbringen die Familienmitglieder viel Zeit mit der gegenseitigen Fellpflege, dem sogenannten Lausen (engl.: grooming). Dabei lässt sich manchmal beobachten, wie sich ein Tier um die Aufmerksamkeit seiner Mutter bemüht, wenn diese gerade ein anderes Jungtier laust. In einer aktuellen Studie haben Forschende um Axelle Delaunay, Marie Charpentier und Elise Huchard dieses Phänomen genauer unter die Lupe genommen.

Annäherungsversuche und Wutausbrüche

Konkret fragte sich das Team, was hinter dem Verhalten der jungen Paviane steckt. Wollen die Tiere den Kontakt zwischen den sich lausenden Tieren unterbrechen? Oder wollen sie vielleicht selbst Zeit mit ihrer Mutter oder dem jeweiligen Geschwistertier verbringen? 

Um mehr darüber zu erfahren, beobachteten die Forschenden wildlebende Bärenpaviane in Namibia. Dabei konzentrierten sie sich auf heranwachsende Tiere im Alter von bis zu 9 Jahren und erfassten Verhaltensweisen, die dazu geeignet waren, die Aufmerksamkeit ihrer Mutter auf sich zu ziehen oder den Kontakt zwischen der Mutter und einem anderen Jungtier zu stören. Dazu zählten sowohl aggressives Verhalten und lautstarke Wutausbrüche (engl.: tantrum behaviours) als auch freundliche Annäherungsversuche.

Bevorzugte Geschwister im Fokus

Das Team stellt fest: Die Paviane zeigten die entsprechenden Verhaltensweisen überproportional dann, wenn ihre Mütter sich mit einem Geschwistertier befassten, und seltener, wenn sie gerade allein waren. Das spricht klar dagegen, dass es sich bloß um den Wunsch nach Kontakt zur Mutter handelte. Gleichzeitig schien es ihnen auch nicht um Kontakt zum gelausten Geschwistertier zu gehen: In 82 Prozent der Fälle war ihr Verhalten nämlich nicht auf dieses ausgerichtet, sondern auf die Mutter.

Insofern sprechen die Ergebnisse eher dafür, dass das Verhalten der Tiere darauf abzielte, den Kontakt zwischen den Müttern und ihren Geschwistern zu unterbrechen – was ihnen immerhin in 19 Prozent der beobachteten Fälle gelang. Besonders interessant: Die Paviane mischten sich häufiger ein, wenn die Mutter sich gerade mit einem Jungtier befasste, das von ihr grundsätzlich überdurchschnittlich viel Zuwendung erhielt.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie sprechen dafür, dass junge Bärenpaviane versuchen, den Kontakt zwischen ihren Müttern und anderen Geschwistertieren zu stören – insbesondere, wenn es sich um besonders bevorzugte Jungtiere handelt. Wie das Team in der Veröffentlichung schreibt, erinnert dieses Verhalten stark an die Eifersucht unter menschlichen Geschwistern. Könnte es sein, dass diese Emotion auch bei den Bärenpavianen eine Rolle spielt?

Wie die Forschenden einräumen, lässt sich vorerst nicht eindeutig beantworten, ob dies der Fall ist. Schließlich gibt es keine Möglichkeit, direkte Informationen über das Gefühlsleben der Affen zu erlangen. Doch das, was wir in den letzten Jahrzehnten über die emotionalen Fähigkeiten von Tieren gelernt haben, lässt es durchaus plausibel erscheinen, dass hinter dem Verhalten der jungen Paviane genau das steckt, wonach es aussieht: Dass sie eifersüchtig sind, wenn sie mitbekommen, wie sich ihre Mütter intensiv mit ihren Geschwistern beschäftigen.


Zur Fach-Publikation:
Delaunay, A.; Roatti, V.; Ellis, R.; Kadjii, P.; Carter, A.; Cowlishaw, G.; Charpentier, M. & Huchard, E. (2026): Sibling interference in mother–offspring interactions reveals jealous reactions in wild baboons. Proceedings of the Royal Society B.

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