Hummeln navigieren entlang von Straßen und Wegen

Betrachtet man eine Kulturlandschaft aus der Luft, offenbart sich ein regelrechtes Gitternetz aus Straßen, Wegen und Feldgrenzen. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass Hummeln sich beim Navigieren an diesen Strukturen orientieren.

von Niklas Kästner

Eine Dunkle Erdhummel auf Nahrungssuche
Eine Erdhummel auf Nahrungssuche (Foto: ykaiavu via Pixabay)

Von Menschen kultivierte Landschaften sind häufig durch Straßen, Wege, Kanäle oder Feldgrenzen geprägt. Aus der Luft ist dieses Netz aus mehr oder weniger geraden Linien besonders gut zu erkennen – und das wissen Hummeln offenbar für sich zu nutzen: Einer aktuellen Studie zufolge orientieren sie sich daran mitunter während ihrer Flüge.

Hummeln über Reisfeldern

Forschende um Joanna Brebner und Joseph Woodgate untersuchten das Flugverhalten von Dunklen Erdhummeln (Bombus terrestris) über Reisfeldern in Spanien, zwischen denen jeweils Straßen oder Wege verliefen. An einem der Wege platzierten sie Nestboxen mit Hummelkolonien und ließen die Insekten von dort aus nach Futterstellen suchen, an denen sie ihnen Zuckerlösung anboten. Dabei verfolgten sie mithilfe eines Radargeräts die Flüge einzelner Tiere, die sie zuvor mit winzigen Transpondern versehen hatten.

Hummeln fliegen entlang von Wegen und Straßen

Kulturlandschaft von oben: Geprägt durch die geradlinigen Strukturen von Feldgrenzen und einer Straße
Kulturlandschaft von oben: Geprägt durch die geradlinigen Strukturen von Feldgrenzen und einer Straße (Foto: Sveta Fedarava via Unsplash)

Hummeln fliegen auf ihren ersten Erkundungsflügen für gewöhnlich Schleifen und präferieren dabei keine bestimmte Richtung. Nicht so über den Reisfeldern: Dort flogen sie überproportional häufig entlang der Wege und Straßen zwischen den Feldern oder parallel dazu.

Doch nicht nur bei ihren Erkundungsflügen bewegten sich die Insekten entlang der geraden Linien. Die Forschenden hatten eine der Futterstellen so platziert, dass die Hummeln sie von ihrem Nest auf kürzestem Weg per Diagonalflug über ein Feld erreichen konnten. Es zeigte sich: Die Tiere wählten bei ihren Hin- und Rückflügen längst nicht immer diese Strecke, sondern flogen das letzte Stück in vielen Fällen entlang der Feldgrenzen. Allerdings schienen die Hummeln ihre Flugbahn mit der Zeit zu optimieren: Die Forschenden verfolgten eine Hummel über mehrere Tage – und diese steuerte Futterquelle und Nest mit zunehmender Erfahrung immer häufiger auf dem direkten Weg an.

Fazit

Die Studie macht deutlich, dass Hummeln bevorzugt entlang von Wegen und Feldgrenzen fliegen – zumindest dann, wenn sie sich nicht gut auskennen und es keine prägnanten Landmarken am Horizont gibt. Das legt nahe, dass die Insekten die von Menschen geschaffenen Strukturen zur Orientierung nutzen. Damit sind sie übrigens nicht allein: Eine Studie aus dem Jahr 2004 ergab, dass Brieftauben auf ihren Flügen zum heimischen Taubenschlag oftmals dem Verlauf von Autobahnen folgen.


Zur Fach-Publikation:
Brebner, J. S.; Makinson, J. C.; Bates, O. K; Rossi, N.; Lim, K. S.; Dubois, T.; Gómez-Moracho, T.; Lihoreau, M.; Chittka, L. & Woodgate, J. L. (2021): Bumble bees strategically use ground level linear features in navigation. Animal Behaviour 179: 147-160.

Weitere Literatur:
Lipp, H.-P.; Vyssotski, A. L.; Wolfer, D. P.; Renaudineau, S.; Lavini, M.; Tröster, G. & Dell’Omo G. (2004): Pigeon homing along highways and exits. Current Biology 14: 1239-1249.

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