Typisch „Teenager“: Pubertierende Hunde hören schlechter auf ihre Bezugsperson

Eine aktuelle Studie zeigt: In der Zeit um die Pubertät sind Hunde ihrer Bezugsperson gegenüber außergewöhnlich ungehorsam. Was viele Hundebesitzer*innen schon am eigenen Leib erfahren haben, wurde somit erstmals auch wissenschaftlich bestätigt.

von Niklas Kästner

Pubertierende Hunde hören schlechter auf ihre Bezugsperson
Pubertierende Hunde hören schlechter auf ihre Bezugsperson (Foto: Michael Oxendine via Unsplash)

Die Pubertät ist eine ganz besondere Lebensphase. Sie wird begleitet von einer Umstrukturierung bestimmter Hirnregionen und charakteristischen Verhaltensveränderungen – treffend ausgedrückt im bekannten Spruch: Die Pubertät ist die Zeit, in der die Eltern anfangen, schwierig zu werden.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich auch das Verhalten pubertierender Hunde verändert. Sie werden ungehorsamer – allerdings nur gegenüber ihren Bezugspersonen.

Untersucht wurden künftige Blindenführhunde

Die Autor*innen der Studie um die Wissenschaftlerinnen Lucy Asher und Naomi Harvey arbeiteten für ihre Untersuchung mit einem Ausbildungszentrum für Blindenführhunde zusammen (Guide Dogs UK). Bei den in der Studie eingesetzten Tieren handelte es sich um Labrador Retriever, Golden Retriever, Deutsche Schäferhunde und Kreuzungen zwischen diesen Rassen.

Im Alter von 2-3 Monaten wurden die künftigen Assistenzhunde für die Dauer ihrer Ausbildung in die Hände von Privatpersonen gegeben (sogenannte „Puppy Walker“). Dort verblieben sie, bis sie ein Alter von 12-14 Monaten erreicht hatten. Die Puppy Walker stellten während dieser Zeit also die Bezugspersonen der Hunde dar. Darüber hinaus hatten die Tiere regelmäßig Kontakt zu ihren Trainer*innen.

Ergebnisse aus Befragungen

Für die Studie wurden Personen aus beiden Gruppen gebeten, das Verhalten der Tiere zu verschiedenen Zeitpunkten anhand von Fragebögen zu bewerten: jeweils wenn die Hunde 5, 8 und 12 Monate alt waren – d.h. vor, während und nach der Pubertät. Einschätzen sollten sie Aussagen wie: „Der Hund gehorcht nicht auf Kommandos, die er bereits erfolgreich beherrscht“, „Der Hund scheint nicht zuzuhören, wenn jemand ihn anspricht“ oder „Der Hund kommt sofort, wenn das entsprechende Kommando gegeben wird“. Die Bewertungsskala reichte dabei von „fast immer“ bis „niemals“. Aus den Angaben jeder Person ermittelten die Wissenschaftler*innen einen Wert für die „Trainierbarkeit“ (Englisch: trainability) des Hundes.

Die Antworten der Bezugspersonen ließen ein eindeutiges Muster erkennen: Die Trainierbarkeit der Hunde war im Alter von 8 Monaten, d.h. im Pubertätsalter, deutlich geringer als zu den Zeitpunkten davor und danach.

Interessanterweise ergab die Befragung der Trainer*innen ein völlig anderes Bild. Im Gegensatz zu den Bezugspersonen erlebten sie die Trainierbarkeit der Hunde während der Pubertät als besonders hoch.

Ergebnisse aus einem Experiment

Asher und ihre Kolleg*innen führten zusätzlich zu den Befragungen ein Experiment durch. Sie beobachteten einige der künftigen Blindenführhunde sowohl im Alter von 5 als auch im Alter von 8 Monaten bei der Ausführung des Kommandos „Sitz!“. Das Kommando gab entweder eine Bezugsperson des Hundes oder eine dem Tier unbekannte Experimentatorin. Ermittelt wurde die Anzahl der nötigen Aufforderungen, bis der Hund sich setzte.

Der Ausgang des Experiments passte zu den Ergebnissen der Befragungen: Im Alter von 8 Monaten gehorchten die Hunde ihrem Puppy Walker deutlich schlechter als im Alter von 5 Monaten. Und dieses Ergebnis war tatsächlich spezifisch für die Bezugsperson: Auf die Experimentatorin hörten die Hunde während der Pubertät sogar besser als zuvor.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie bestätigen eine Erfahrung, die sicherlich viele Hundebesitzer*innen bereits machen durften: Im Pubertätsalter scheinen Hunde zuweilen auf ihren Ohren zu sitzen. Besonders interessant ist, dass sich dieser vorübergehende Ungehorsam ausschließlich auf die jeweilige Bezugsperson zu beziehen scheint. Auf die Kommandos weniger vertrauter Personen reagierten die pubertierenden Hunde in der Studie sogar besser.

Aber: Das Ergebnis der Befragung der Puppy Walker zeigt auch, dass es sich lohnt, diese anstrengende Zeit mit seinem Hund durchzustehen. Nach der Pubertät stieg die Trainierbarkeit der Hunde nicht nur wieder an – sie erreichte sogar einen höheren Wert als davor. 

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Zur Fach-Publikation:
Asher, L.; England, G. C. W.; Sommerville, R. & Harvey, N. D. (2020): Teenage dogs? Evidence for adolescent-phase conflict behaviour and an association between attachment to humans and pubertal timing in the domestic dog. Biology Letters 16: 20200097.

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, können Sie das zum Beispiel so tun:
Kästner, N. (2020): Typisch „Teenager“: Pubertierende Hunde hören schlechter auf ihre Bezugsperson. ETHOlogisch – Verhalten verstehen (www.ethologisch.de, abgerufen am [Datum]).

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