Hunde revanchieren sich nicht bei spendablen Menschen

Hunde gelten gemeinhin als bester Freund des Menschen. Diese besondere Verbindung kennt allerdings anscheinend Grenzen: In einer aktuellen Studie verhalfen die Vierbeiner unbekannten Personen nur selten zu einer begehrten Süßigkeit – auch wenn ihnen diese zuvor Futter verschafft hatten.

von Tobias Zimmermann

Im Versuch konnten sich Hunde für erhaltene Futtergaben revanchieren
Im Versuch konnten sich Hunde für erhaltene Futtergaben revanchieren (Foto: James Lacy via Unsplash, zugeschnitten)

Untersuchungen zeigen, dass sich Hunde bei Artgenossen revanchieren, die ihnen zuvor Futter verschafft hatten – man spricht dabei von reziprokem Verhalten. In einer kürzlich veröffentlichten Studie untersuchte ein Forschungsteam um Jim McGetrick und Friederike Range, ob sich die Tiere auch Menschen gegenüber derart kooperativ verhalten.

Die Studie

Zunächst lernten 21 Hunde verschiedener Rassen, einen Futterspender per Knopfdruck zu bedienen. Anschließend führten die Forschenden die Hunde in ein Abteil mit einem solchen Futterspender. Der zugehörige Knopf befand sich allerdings außerhalb ihrer Reichweite in einem angrenzenden Abteil. Dort warteten in zwei verschiedenen Durchläufen jeweils eine unbekannte Person auf sie: Eine war hilfsbereit und versorgte die Vierbeiner wiederholt mit Futter – die andere drückte den Knopf nicht.

Um zu ermitteln, wie die Hunde auf das Verhalten ihres Gegenübers reagierten, drehten die Forschenden anschließend den Spieß um: Nun hatten die Hunde mehrmals Gelegenheit, der jeweiligen Person per Knopfdruck eine von ihr bevorzugte Süßigkeit zukommen zu lassen.

Per Knopfdruck betätigt ein Hund den Futterspender für die Person gegenüber (Foto: McGetrick et al. 2021, zugeschnittenes Standbild aus Video, Lizenz: CC BY 4.0)
Das Ergebnis

Das Ergebnis war eindeutig: Das vorherige Verhalten der Menschen hatte keinerlei Einfluss darauf, wie hilfsbereit die Hunde waren. Insgesamt betätigten sie den Futterspender nur selten – unabhängig davon, ob die Person ihnen vorher zu Futter verholfen hatte.

Fazit

Die Ergebnisse legen nahe, dass sich Hunde nicht bei fremden Menschen für deren Hilfe revanchieren – zumindest, wenn es um den Austausch von Nahrung geht. Allerdings mahnen die Autor*innen der Studie bei der Interpretation selbst zu Vorsicht: Anhand des Versuchsaufbaus ließ sich nicht überprüfen, ob die Tiere tatsächlich erkannten, dass sie die Futterspenden der Person im Nachbarabteil verdankten. Sollten sie die Hilfsbereitschaft demnach gar nicht als solche wahrgenommen haben, würde es auch nicht verwundern, dass sie sich nicht dafür erkenntlich zeigten.

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Zur Fach-Publikation:
McGetrick, J.; Poncet, L.; Amann, M.; Schullern-Schrattenhofen, J.; Fux, L.; Martínez, M. & Range, F. (2021): Dogs fail to reciprocate the receipt of food from a human in a food-giving task. PLoS ONE 16: e0253277.

Weitere Literatur:
Gfrerer, N. & Taborsky, M. (2018): Working dogs transfer different tasks in reciprocal cooperation. Biology Letters 14:20170460.

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, können Sie das zum Beispiel so tun:
Zimmermann, T. (2021): Hunde revanchieren sich nicht bei spendablen Personen. ETHOlogisch – Verhalten verstehen (www.ethologisch.de, abgerufen am [Datum]).

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