Luftgefüllte Lunge hilft Fröschen, artfremde Rufe auszublenden

Treffen Schallwellen auf einen Frosch, gerät auch seine Lunge in Schwingungen. Das wirkt sich auf seine Ohren aus – und führt bei weiblichen Karolina-Laubfröschen dazu, dass die Lautstärke der Rufe artfremder Männchen gedämpft wird.

von Niklas Kästner

Die Lunge weiblicher Karolina-Laubfrösche dämpft die Rufe artfremder Männchen
Ein Karolina-Laubfrosch (Foto: Eumeldings via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Laute Umgebungsgeräusche können die Verständigung erheblich erschweren. Mit diesem Problem sehen sich oftmals auch paarungsbereite Froschweibchen konfrontiert: An vielen Gewässern herrscht ein regelrechtes Quak-Konzert, bei dem verschiedene Arten durcheinanderrufen. Dabei gilt es für die Tiere, die Laute der eigenen Spezies aus der Geräuschkulisse herauszufiltern. Einer aktuellen Studie zufolge hilft ihnen dabei ihre Lunge: Sie dämpft Töne in einem für sie unwichtigen Frequenzbereich.  

Die Studie

Die luftgefüllte Lunge von Fröschen wird nur von einer vergleichsweise dünnen Körperschicht umgeben. Entsprechend gerät sie – wie der Resonanzkörper eines Musikinstruments – ins Schwingen, wenn Schallwellen auf den Körper treffen. Diese Schwingungen übertragen sich auf die Ohren der Tiere. Wie genau sich das auf die Schallwahrnehmung auswirkt, hat ein Forschungsteam um Norman Lee und Mark Bee bei weiblichen Karolina-Laubfröschen (Hyla cinerera) untersucht. Dazu bestimmten die Wissenschaftler*innen mit einem speziellen Lasermessgerät, wie stark die Trommelfelle der Tiere vibrierten – abhängig davon, ob ihre Lunge mit Luft gefüllt war oder nicht.

Das Ergebnis

Die Forscher*innen stellten fest, dass eine luftgefüllte Lunge die Schwingungen des Trommelfells nicht etwa verstärkte, sondern hemmte – allerdings nur in einem bestimmten Frequenzbereich (1.400–2.200 Hz). Spannenderweise lag dieser Bereich genau zwischen den beiden Haupttönen der Rufe männlicher Karolina-Laubfrösche, aber überlappte mit Tönen der Rufe anderer Arten, die häufig an den gleichen Orten um Weibchen werben.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die luftgefüllte Lunge bei weiblichen Karolina-Laubfröschen die Wahrnehmung der Rufe anderer Froscharten dämpft. Der Effekt: Die für die Partnerwahl entscheidenden Rufe der arteigenen Männchen heben sich stärker von denen der artfremden Männchen ab. Die Forschenden vermuten, dass es sich bei diesem Phänomen um einen bei Fröschen verbreiteten Mechanismus handelt – der sich entwickelt hat, weil er die Kommunikation zwischen Tieren der gleichen Art erleichtert.


Zur Fach-Publikation:
Lee, N .; Christensen-Dalsgaard, J.; White, L. A.; Schrode, K. M.; Bee, M. A. (2021): Lung mediated auditory contrast enhancement improves the signal-to-noise ratio for communication in frogs. Current Biology 31.

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