Umstrittene Trainingsmethode bei Hunden: Keine Vorteile durch Elektrohalsbänder

Wenn Hunde nicht wie gewünscht gehorchen, kommen vielerorts noch immer Elektrohalsbänder zum Einsatz – weil sie in solchen Fällen angeblich besonderen Erfolg versprechen. Eine aktuelle Studie widerlegt dies und zeigt, dass ein belohnungsbasiertes Training sogar etwas bessere Ergebnisse erzielt.

von Tobias Zimmermann

Elektrohalsbänder führen nicht zu einem besseren Trainingsergebnis bei Hunden
Der Einsatz von Elektrohalsbändern führte bei den untersuchten Hunden nicht zu einem besseren Trainingsergebnis (Foto: Jamie Street via Unsplash)

Die Ausbildung von Hunden kann viel Aufwand und Zeit beanspruchen. Insbesondere bei Verhaltensauffälligkeiten kommen dabei immer wieder sogenannte Telereizgeräte als äußerst umstrittenes Hilfsmittel zum Einsatz. Diese bestehen aus einem Empfängerhalsband, das elektrische Impulse unterschiedlicher Stärke an das Tier aussendet, und einem zugehörigen Handsender. Damit kann dem Tier bei Nichtbefolgen eines Kommandos oder bei einem Fehlverhalten auch über große Distanz ein Stromstoß versetzt werden, dessen Wirkung von leichtem Kribbeln bis zu erheblichen Schmerzen reicht. Bei einigen Geräten kann die anwendende Person vorab ein Vibrations- oder Tonsignal über das Halsband auslösen, das die Tiere vor dem bevorstehenden Stromstoß warnt.

Frühere Studien ergaben, dass Hunde deutliche Anzeichen von Stress, Angst und Schmerzen infolge eines Trainings mit Elektrohalsbändern zeigen. In Deutschland ist der Einsatz solcher Geräte deshalb mittlerweile gesetzlich verboten – in vielen anderen Staaten allerdings nicht.

Aber was spricht überhaupt für den Einsatz von Telereizgeräten? Als Argument wird oft angeführt, dass gerade bei schwer zu erziehenden Hunden das Training mittels Elektrohalsband erfolgreicher und effizienter sei als andere Methoden. Eine aktuelle Studie der Wissenschaftler*innen Lucy China, Daniel Mills und Jonathan Cooper widerlegt dies jedoch sehr deutlich und zeigt, dass Hunde durch ein belohnungsbasiertes Training sogar etwas besser gehorchen.

Die Studie

Das Forschungsteam führte die Untersuchung an verhaltensauffälligen Hunden verschiedener Rassen durch, die andere Tiere jagten, aggressiv gegenüber Hunden waren oder unzureichend auf Rückrufe reagierten. Alle Tiere waren mindestens neun Monate alt (und damit aus der oftmals problematischen Jugendphase heraus). Keiner der Hunde hatte zuvor Erfahrungen mit elektronischen Halsbändern gemacht.

Für die Studie arbeiteten Hundertrainer*innen an fünf aufeinanderfolgenden Tagen mit männlichen und weiblichen Hunden an deren Verhaltensauffälligkeiten. Ein Teil der Hunde wurde mithilfe eines Elektrohalsbands von Personen trainiert, die der Gerätehersteller zuvor geschult und ausgewählt hatte. Ein anderer Teil wurde ohne Elektrohalsband von ausgebildeten Hundetrainer*innen trainiert, die dabei vornehmlich auf Belohnungen setzten. Unabhängig von der verwendeten Methode hatten alle Trainer*innen die Möglichkeit, Futterbelohnungen auszugeben und über eine Leine mit den Hunden zu interagieren.

Anhand von Videoaufzeichnungen analysierte die Forscher*innen anschließend, wie die Hunde bei den verschiedenen Trainingsansätzen auf die häufig genutzten Kommandos „Komm“ und „Sitz“ reagierten.

Das Ergebnis

Der Einsatz der Elektrohalsbänder führte nicht dazu, dass die Hunde besser gehorchten: Die Hunde, die ohne Elektrohalsband trainiert wurden, reagierten im Schnitt zu über 82 Prozent unmittelbar auf das erste Kommando. Die Tiere mit Elektrohalsband lagen hingegen sowohl beim „Komm“  mit 71 Prozent als auch beim „Sitz“ mit 77 Prozent sogar deutlich dahinter. Außerdem gehorchten die Tiere beim belohnungsorientierten Training ein klein wenig schneller auf beide Kommandos.

Insgesamt hielt sich der Ungehorsam allerdings in Grenzen: In beiden Gruppen verweigerten die Hunde weniger als drei Prozent der „Komm“- und weniger als fünf Prozent der „Sitz“-Kommandos komplett.

Fazit

Die Studie verdeutlicht, dass Trainingsmethoden sowohl mit als auch ohne Elektrohalsband prinzipiell den gewünschten Erfolg bringen. Anders als von vielen Befürworter*innen vorgebracht, lieferte der Einsatz der umstrittenen Hilfsmittel somit keine besseren Trainingsergebnisse. Ganz im Gegenteil: Der belohnungsbasierte Ansatz ohne Elektrohalsbänder war sogar ein wenig erfolgreicher. Damit widerlegt die Studie ein wichtiges Argument für die Anwendung einer Trainingsmethode, die für Hunde erhebliche negative Auswirkungen hat.

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Zur Fach-Publikation:

China, L.; Mills, D. S. & Cooper, J. J. (2020): Efficacy of dog training with and without remote electronic collars vs. a focus on positive reinforcement. Frontiers in Veterinary Sciences 7: 508.

Weitere Literatur:

Schilder, M. B. H. & van der Borg, J. A. M. (2004): Training dogs with help of the shock collar: short and long term behavioural effects. Applied Animal Behaviour Science 8: 319–33.

Cooper, J. J.; Cracknell, N.; Hardiman, J.; Wright, H. & Mills, D. (2014): The welfare consequences and efficacy of training pet dogs with remote electronic training collars in comparison to reward based training. PLoS ONE 9.

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, können Sie das zum Beispiel so tun:
Zimmermann, T. (2020): Umstrittene Trainingsmethode bei Hunden: Keine Vorteile durch Elektrohalsbänder. ETHOlogisch – Verhalten verstehen (www.ethologisch.de, abgerufen am [Datum]).

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