Knistert oder kracht es? Rhesusaffen haben soziale Beziehungen im Blick

Die Struktur der eigenen sozialen Gemeinschaft zu kennen, kann sich lohnen. Das wissen anscheinend auch Rhesusaffen, wie eine aktuelle Studie zeigt: Weibchen beobachten, wie andere Gruppenmitglieder miteinander umgehen. Ganz besonders aufmerksam sind sie, wenn es Streit gibt.

von Niklas Kästner

Rhesusaffen haben soziale Beziehungen im Blick
Ein Rhesusaffe (Foto: Robbie Ross via Pixabay)

In sozialen Gruppen kann es hilfreich sein, den Überblick zu behalten: Wer versteht sich mit wem besonders gut? Zwischen wem gibt es Streit? Ist man gut informiert, kann man sein eigenes Verhalten danach ausrichten. Vor diesem Hintergrund wurde in einer aktuellen Studie untersucht, ob weibliche Rhesusaffen (Macaca mulatta) den Interaktionen zwischen Gruppenmitgliedern besondere Aufmerksamkeit schenken. Ermittelt wurde auch, welche Rolle es dabei spielt, ob die Tiere sich freundlich oder aggressiv verhalten.

Die Studie

Der Forscher Oliver Schülke und seine Kolleginnen Natalie Dumday und Julia Ostner beobachteten für einige Wochen das Verhalten von zwei Rhesusaffen-Gruppen in den Gehegen des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen. Eine der Gruppen bestand aus acht Weibchen, die andere aus neun Weibchen und einem jungen Männchen.

In beiden Gruppen bestimmte das Team die Aufmerksamkeit der weiblichen Tiere in Bezug auf drei verschiedene soziale Situationen: Aggressive Interaktionen zwischen Gruppenmitgliedern, freundliche Interaktionen zwischen Gruppenmitgliedern und Lautäußerungen oder Bewegungen einzelner Tiere. Zusätzlich wurde ermittelt, ob ein ranghöheres Tier beteiligt war oder eins, mit dem das jeweilige Weibchen eine enge soziale Beziehung verband. Als „Aufmerksamkeit“ wurde gewertet, wenn ein Weibchen zu den Tieren hinüberschaute.

Das Ergebnis

Der Vergleich zwischen den Situationen zeigte ein deutliches Interesse der Rhesusaffen-Weibchen an sozialen Beziehungen: Wenn zwei Gruppenmitglieder miteinander interagierten, sahen sie wesentlich häufiger hin, als wenn einzelne Tiere sich bewegten oder Laute von sich gaben. Die Art der Interaktion war allerdings auch entscheidend: Freundliche Begegnungen erregten ihre Aufmerksamkeit doppelt so häufig wie das Verhalten einzelner Tiere – aggressive Auseinandersetzungen aber gleich sechsmal so häufig. Darüber hinaus schauten die Affen generell etwas mehr zu ranghöheren Tieren oder zu solchen, zu denen eine enge Bindung bestand.

Fazit

Die Studie zeigt: Weibliche Rhesusaffen haben die sozialen Beziehungen zwischen ihren Gruppenmitgliedern im Blick. Die stärkste Aufmerksamkeit widmen sie mit großem Abstand aggressiven Auseinandersetzungen. Bei wem es Krach gibt, scheint für die Affen also spannender zu sein, als bei wem es gut läuft. Klingt irgendwie vertraut, oder?


Zur Fach-Publikation:
Schülke, O.; Dumdey, N. & Ostner, J. (2020): Selective attention for affiliative and agonistic interactions of dominants and close affiliates in macaques. Scientific Reports 10: 5962.

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