Familienleben bei Totengräbern: Väter profitieren von der Zeit mit dem Nachwuchs

Die Aufzucht des Nachwuchses ist bei vielen Tieren eine kräftezehrende Angelegenheit. Männliche Totengräber gehen laut einer aktuellen Studie jedoch gestärkt daraus hervor: Sie nehmen während der Zeit mit der Familie sogar zu – und steigern ihre Anziehungskraft auf Weibchen.

von Niklas Kästner

Ein Totengräber mit seinem Nachwuchs
Ein Totengräber mit seinem Nachwuchs (Foto: © Heiko Bellmann, zugeschnitten)

Totengräber bereiten ihren Nachkommen ein üppiges Buffet: Sie verarbeiten den Kadaver eines kleinen Wirbeltiers zu einer Kugel, die sie im Boden verbuddeln. Nachdem ihre Larven geschlüpft sind, bleiben die Eltern meist noch einige Tage, um sie zu verteidigen und mit vorverdautem Aas zu füttern.

Einer aktuellen Studie zufolge scheint sich die Zeit mit der Familie für die Männchen zu lohnen: Weil sie sich ebenfalls an der Kadaverkugel bedienen, legen sie deutlich an Gewicht zu – und locken anschließend mehr Weibchen an.

Die Studie

Die Wissenschaftlerinnen Eva Keppner und Sandra Steiger fingen in einem Ulmer Wald 27 männliche Schwarzhörnige Totengräber (Nicrophorus vespilloides), die sie im Labor mit einem Weibchen eine Brut aufziehen ließen. Sowohl vor als auch nach der „Familienzeit“ wogen sie die Männchen – und bestimmten ihre Anziehungskraft auf das andere Geschlecht. Dazu brachten sie die Käfer in einem mit Löchern versehenes Behältnis in den Wald und beobachteten, wie viele Weibchen sie anlockten.

Das Ergebnis

Es zeigte sich: Die Käfermännchen nahmen während der Familienzeit deutlich zu. Im Durchschnitt steigerten sie ihr Ausgangsgewicht um etwa 22 Prozent. Auch auf die Gunst bei den Weibchen wirkte sich die Aufzucht der Brut aus: Die Männchen lockten anschließend etwa doppelt so viele potenzielle Paarungspartnerinnen an wie zuvor.

Allerdings könnte es durchaus sein, dass zum späteren Zeitpunkt schlichtweg mehr Weibchen im Wald unterwegs waren. Um einen solchen saisonalen Effekt ausschließen zu können, führten die Wissenschaftlerinnen einen Kontrollversuch durch. Sie fingen zeitgleich zur zweiten Testrunde 25 Käfermännchen und überprüften auch deren Erfolg bei den weiblichen Artgenossen. Das Ergebnis: Die Tiere lockten deutlich weniger Weibchen an als die parallel getesteten frischgebackenen Väter.

Fazit

Die Ergebnisse zeigen, dass männliche Totengräber von der Zeit mit ihrem Nachwuchs profitieren. Wie lässt sich das erklären?

Bei vielen Tierarten ist die Jungenaufzucht kräftezehrend – unter anderem, weil die beteiligten Eltern mit großem Aufwand regelmäßig Nahrung beschaffen müssen. Diese Anstrengung fällt für die Totengräbermännchen weg: Den Larven steht mit dem vorbereiteten Kadaver genug Nahrung zur Verfügung und die Eltern können sich sogar selbst daran bedienen. Keppner und Steiger vermuten, dass die Väter deshalb an Gewicht zulegen und mehr Energie in die Produktion von Duftstoffen (Pheromonen) investieren können – wodurch sie anschließend mehr Weibchen anlocken.


Um die Rolle der Totengräbermütter geht es in diesem Artikel: Es muss sich lohnen – Mütterliche Fürsorge bei Totengräbern.

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Zur Fach-Publikation:
Keppner, E. M. & Steiger, S. (2021): Males benefit personally from family life: evidence from a wild burying beetle population. Behavioral Ecology.

Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, können Sie das zum Beispiel so tun:
Kästner, N. (2021): Familienleben bei Totengräbern: Väter profitieren von der Zeit mit dem Nachwuchs. ETHOlogisch – Verhalten verstehen (www.ethologisch.de, abgerufen am [Datum]).

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