Weibliche Zebramangusten nutzen Gruppenkämpfe zum „Fremdgehen“

Begegnen sich zwei Gruppen von Zebramangusten, kommt es häufig zu ernsten Konflikten. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass empfängnisbereite Weibchen solche Zusammentreffen initiieren – um sich im Eifer des Gefechts mit Männchen der gegnerischen Partei zu paaren.

von Niklas Kästner

Zebramangusten sind sehr sozial
Zebramangusten sind sehr sozial – aber zwischen verschiedenen Gruppen kann es heftige Auseinandersetzungen geben (Foto: Laika ac via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 2.0, zugeschnitten)

Zebramangusten (Mungos mungo) sind nahe Verwandte der Erdmännchen und wie diese sehr sozial. Sie leben in gemischtgeschlechtlichen Gruppen von durchschnittlich etwa 20 Tieren, die tagsüber gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Wenn sie dabei mit anderen Zebramangustengruppen zusammentreffen, kommt es fast immer zu ernsten Kämpfen. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass empfängnisbereite Weibchen solche Konflikte gezielt provozieren – um sich während des Tumults mit fremden Männchen zu paaren.

Die Studie

Die erwachsenen Weibchen einer Zebramangustengruppe werden alle gleichzeitig empfängnisbereit. In dieser Phase folgen ihnen männliche Gruppenmitglieder auf Schritt und Tritt und versuchen, sie von anderen Männchen abzuschirmen. Beobachtungen haben gezeigt, dass ihnen dabei manchmal Gruppenkonflikte einen Strich durch die Rechnung machen: Weibliche Zebramangusten paaren sich mit Männchen der fremden Gruppe, während ihre Bewacher durch die Kämpfe abgelenkt sind.

Die Tiere einer Zebramangustengruppe sind häufig nah miteinander verwandt. Das „Fremdgehen“ ermöglicht die Fortpflanzung mit einem genetisch weiter entfernten Partner. Das hat messbare Vorteile: Die dabei gezeugten Jungtiere sind schwerer und haben während der ersten Lebensmonate eine höhere Überlebensrate. 

Ein Forschungsteam um Rufus Johnstone und Faye Thompson brachte das auf eine Idee: Könnte es sein, dass die Tiere solche Gruppenbegegnungen gezielt initiieren, um sich während der Kämpfe mit fremden Artgenossen paaren zu können? Dieser Frage gingen die Wissenschaftler*innen anhand von Daten aus 16 Jahren Freilandforschung an Zebramangusten auf den Grund.

Weibchen profitieren von Kämpfen – auf Kosten der Männchen

Zunächst untersuchte das Team, ob sich die Anzahl von Gruppenkonflikten auf die Fortpflanzung der Zebramangusten auswirkt. Tatsächlich gab es einen deutlichen Zusammenhang: Je mehr Gruppenbegegnungen ein Tier erlebt hatte, desto mehr Jungtiere zeugte es „gruppenübergreifend“ – und desto höher war sein Fortpflanzungserfolg insgesamt. Dieser Zusammenhang war bei den Weibchen wesentlich stärker als bei den Männchen.

Anders verhielt es sich bei der Frage, wer die höheren Kosten der Kämpfe trägt. Die Gruppenkonflikte der Zebramangusten sind heftig – manchmal kommen Tiere dabei sogar zu Tode. Das betraf den Beobachtungen der Foscher*innen zufolge allerdings fast ausschließlich die Männchen.

Weibchen scheinen Gruppenbewegungen zu initiieren

Die Weibchen profitieren also von den Gruppenkämpfen, ohne dabei ein besonders hohes Risiko einzugehen. Somit sind Begegnungen mit fremden Gruppen für die Weibchen besonders lukrativ. Könnte es also sein, dass sie diese gezielt provozieren?

Dafür spricht die Beobachtung der Wissenschaftler*innen, dass es häufiger zu einem Zusammentreffen zwischen zwei Gruppen kam, wenn die Weibchen mindestens einer der beiden Parteien empfängnisbereit waren. Allerdings könnten dafür auch Männchen verantwortlich sein, die sich eine Paarungsgelegenheit mit empfängnisbereiten fremden Weibchen trotz des Risikos nicht entgehen lassen wollen.

Doch dagegen spricht ein weiteres Resultat der Studie: Die Zahl der Gruppenzusammenstöße war am höchsten, wenn die Weibchen beider Gruppen empfängnisbereit waren. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass die Männchen in dieser Zeit die Bewegungen ihrer jeweiligen Gruppe beeinflussen – da sie vor allem damit beschäftigt sind, den Weibchen zu folgen. Das legt nahe, dass die Begegnungen zwischen fremden Gruppen primär auf das Konto der Weibchen gehen.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass weibliche Zebramangusten erheblich von Gruppenkonflikten profitieren. Vieles deutet darauf hin, dass sie diese sogar gezielt provozieren, wenn sie empfängnisbereit sind. Die Kosten tragen dabei vor allem die Männchen – eine im Tierreich ziemlich außergewöhnliche Entkopplung von Nutzen und Risiko.


Zur Fach-Publikation:
Johnstone, R. A.; Cant, M. A.; Cram, D. & Thompson, F. J. (2020): Exploitative leaders incite intergroup warfare in a social mammal. Proceedings of the National Academy of Sciences USA.

Weitere Literatur:
Nichols, H. J.; Cant, M. A. & Sanderson, J. L. (2015) Adjustment of costly extra-group paternity according to inbreeding risk in a cooperative mammal. Behavioral Ecology 26: 1486-1494.

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